Pickert Loblied

 

Der reichste Fürst - Loblied auf den lippischen Pickert

 

Preisend mit viel schönen Reden

ihrer Länder Wert und Zahl,

saßen viele deutsche Fürsten

einst zu Worms im Kaisersaal.

 

Herrlich, sprach der Fürst von Sachsen,

ist mein Land und seine Macht,

Silber hegen seine Berge

wohl in manchem tiefen Schacht.

 

Seht mein Land in üppger Fülle,

sprach der kurfürst von dem Rhein,

goldne Saaten in den Tälern,

auf den Bergen edlen Wein!

 

Große Städte, reiche Klöster,

Ludwig, Herr zu Bayern, sprach,

schaffen, daß mein Land den euren

wohl nicht steht an Schätzrn nach.

 

Eberhard, der mit dem Barte,

Württembergs geliebter Herr,

sprach: Mein Land hat kleine Städte,

trägt nicht Berge silberschwer;

 

doch ein Kleinod hält´s verborgen:

daß in Wäldern noch so groß

ich mein Haupt kann kühnlich legen

jedem Untertan in Schoß.

 

Und es rief Herr von Sachsen,

der von Bayern, der von Rhein:

Graf im Bart! Ihr seid der reichste,

Euer land trägt Edelstein!

 

Drauf noch rief der Graf zur Lippe

der in Detmold residiert:

Schmucke Dörfer, schöne Städte,

das ist´s, was auch mein Land ziert.

 

Doch ein Kleinod hat auch dieses.

Pickert nennt man das Gebäck.

Wenn Ihr davon mal gekostet,

seid Ihr samt und sonders weg!

 

Und schon brachte fix von draußen

Jüsken Schmidt zehn Pickert rein.

Als die Fürsten davon aßen,

riefen sie bald insgemein:

 

Eberhard, Ihr bleibt der reichste,

ja, so mag´s auch weiter sein.

Aber Pickert kann man beißen

besser als den Edelstein!

 

Und es sprach der mit dem Barte:

Eure meinung, die ist echt.

Drum ein Hoch dem lippischen Pickert,

denn, die Lipper haben recht!

 

Später hat in der Kantine

Jüsken dann davon erzählt,

wie die Fürsten Pickerts griffen,

kaum daß er sie hingestellt.

 

Pickert, rief der Herr von Sachsen;

Pickert wollt auch der vom Rhein;

Pickert, meinte selbst der Bayer,

könnt ersatz für Radi sein.

 

Jüsken sprach mit Stolz und Würde

zum Kollegen von der Teck:

Was die Fürsten da so preisen,

ist in Lippe Volksgebäck.

 

Quelle: Das Pickert-Lesebuch | 1985 - Justinus Kerner und Kurt Scheulen

 

Pickert im Gedicht


Auch die Lippischen Dichter und Denker haben sich schon früh mit dem Nationalgericht der Lipper auseinander gesetzt.

Hier zwei kleine Beispiele:

 

Pickert-Kantus von Fritken Schemmel

Pickert ist die beste Speis;

Pickert ist mein Leibgericht.

Ihm zu Ehren sprich weise

und mit fröhlichem Verzicht

Brot, jedoch die Butter nicht!

 

Mancher vornehm reiche Knabe

schlemmt in Dingen ohne Zahl.

Wenn ich lipp´schen Pickert habe,

pfeif ich auf ein Fürstenmahl -

und ich steh wie´n Eichenpfahl!

 

Fritz Schemmel - alias Fritken Schemmel

Westfälischer Autor - Lippischer Mundartdichter

Geboren am 27 Juli 1889 in Vahldorf bei Vlotho - Gestorben am 14 November 1967 im Alter von 78 Jahren in Schötmar.

 

 

Katuffel un Pickert ( 1963 )                                     von Friedrich Wienke

Wer pluandt in iusen duitsken Lanne

Van Da wal nicht Katuffel iut,

Man tuiget se in jeudem Stamme,

Ub jeudem Felle steut dat Kriut.

 

De Vornehmste und de Gemeunste,

De Knecht mit samt de reukste Herrn,

De Allergröste und de Kleunste,

Seu olle et´t Katuffel gern.

 

Niu öwwer möt wui den auk wetten,

Wo stammt denn den Katuffel her,

Herodes hätt seu nau nich getten,

Pilautus nau vel weuniger.

 

Eurst osse Amerika entdeckt,

Do hätt man in die niggen Welt,

Tau ollereurst Katuffel schmecket,

Seu wüssen ub Brasiliens Feld.

 

Eun Spanier von Columbus Scheppe,

De was seu wal dowie teufrie,

Dat heu sök wekke teuhaupe schleppe,

Un brocht seu no Europa mie.

 

Dat sind jo leuwe runde Dinger,

De mag wal jeuder gern.

Iuse Wiuwer backt dovan auch Pickert,

un wui helpt fluidig mie vertehrn.

 

Friedrich Wienke

Heimat- und Zieglerdichter

Geboren am 20 September 1863 in Brakelsiek - Gestorben 17 Dezember 1930 im Alter von nur 67 Jahren in Schieder / Kreis Detmold.